Alireza Siadat

Alireza Siadat, M.J.I. ist Rechtsanwalt und Partner bei Deloitte Legal, wo er zum Aufsichtsrecht DLT & Blockchain-bezogene Projekte berät und im DACHLi-Raum diese Bereiche leitet. Er ist im Markt bekannt als Mitgründer und Vorstand mehrerer Blockchain-Verbände und Think-Tanks, für seine Mitarbeit als Experte im Deutschen Bundestag und als Mitherausgeber der Zeitschrift für das Recht der digitalen Wirtschaft (ZdiW) sowie Autor zahlreicher Publikationen zu DLT & Blockchain.

 

„Also im Gegensatz zu einer Kryptowährung, wo man sagt, es hat keinen intrinsischen Wert wie bei Bitcoin, gibt es auch die Möglichkeit, sogenannte Real-World-Assets, das heißt, Vermögenswerte, die es in der klassischen Welt gibt, wie zum Beispiel Gold oder auch vielleicht sogar Aktien oder Immobilien, diese zu tokenisieren. Das heißt, man gibt dem Token dann doch einen Wert oder das Recht des Token verkörpert dann ein Recht an einem Sachwert oder einem Vermögenswert. Am Beispiel der Tokenisierung einer Immobilie zum Beispiel könnte man ja versuchen, die Rechte, Eigentumsrechte einer Immobilie über den Token übertragbar zu machen. Und das ist die tatsächliche Tokenisierung. Man sagt auch „NBAs“, „non-bankable assets“, das heißt, man hat Vermögenswerte, die eigentlich gar nicht dazu gedacht sind, im Bankverkehr diese zu handeln und durch die Tokenisierung schafft man einen Token, der diese Rechte an dem Vermögenswert verkörpert, dass man diese dann handelbar macht, insbesondere auf dem Sekundärmarkt.“

„Der Unterschied zwischen der CEX und der DEX ist nicht nur, dass man bei einer CEX, also bei einer zentralen Börse, Intermediäre hat, sondern dass die zentralen Börsen in der Regel auch reguliert sind. Sprich, die haben eine Erlaubnis. Man findet auch Information, man hat eine Webseite, man hat auf der Webseite einen Imprint und findet dort Information zu dem Anbieter dieser Kryptobörse. Und in der Regel hat man eine Firma, die dahintersteht. Und das ist bei einer dezentralen Börse in der Regel nicht so. Eine dezentrale Börse kann von einem Unternehmen geleitet oder geführt werden. Was wir allerdings öfters haben, ist, dass wir eine DAO, eine „decentralized autonomous organization“ haben. Das heißt, ein Netzwerk an Teilnehmern, die dezentral auch wiederum eine sogenannte dezentrale Börse aufbauen.“

„Also, wenn ich mir wünschen könnte, was für den DeFi-Bereich oder für den Tokenisierungsbereich erstrebenswert wäre, ist es definitiv Klarheit im regulatorischen Umfeld. Wenn wir uns mal die Regulierung der Kryptowerte anschauen, dann sehen wir schnell, dass wir mit der MiCAR, mit der Markets in Crypto Assets Regulation, einen Rechtsrahmen haben, einen harmonisierten Rechtsrahmen für Kryptowerte. Allerdings sind damit nicht alle Kryptowerte gemeint und auch nicht alle Dienstleister. Insbesondere der Bereich DeFi, also Decentralized Finance, ist von der MiCAR nicht umfasst. Ja, und das birgt natürlich Risiken nicht nur für die Akteure, die im Bereich DeFi aktiv sind, sondern auch für diejenigen, die vielleicht interessiert sind, das Ganze zu fördern, das Ganze zu sponsoren. Wenn man nicht weiß, wie das Ganze reguliert ist oder ob es überhaupt nicht reguliert ist oder vielleicht ein Graubereich ist, dann ist es nicht spannend für den Markt, insbesondere für die institutionellen Investoren, für Versicherung, für größere Anleger, die sagen, wenn wir nicht wissen, wie es und ob es reguliert ist, dann machen wir da überhaupt nicht mit.“