Victoria Jahn

Victoria Jahn ist Rechtsanwältin und Head of Regulatory Affairs bei der 21X AG in Frankfurt am Main. In ihrer Funktion bei der 21X AG – dem ersten zugelassenen Betreiber eines sogenannten DLT Trading and Settlement Systems (DLT-TSS) unter dem EU DLT Pilot Regime – verantwortet sie insbesondere die Bereiche Regulatorik, Public Affairs sowie kautelarjuristische Fragestellungen. Ihre anwaltliche Expertise liegt im Bank- und Kapitalmarktrecht, mit besonderem Schwerpunkt auf der aufsichtsrechtlichen Behandlung von Kryptowerten sowie digitalen Vermögenswerten. Zuvor war sie als Rechtsanwältin und Associated Partnerin bei Waldeck Rechtsanwälte tätig, wo sie maßgeblich am Aufbau und der Weiterentwicklung der Krypto- und Digital-Assets-Praxis beteiligt war.

 

„Ein Token kann also nicht nur offensichtlich Zahlungsmittelfunktion haben, sondern er kann auch ganz andere Eigenschaften haben, je nachdem, welche Rechte mit diesem Token verknüpft sind. Und das sind dann durchaus auch wertpapierähnliche Rechte, also beispielsweise ein Token, der an Gewinnausschüttungen eines Unternehmens partizipieren lassen oder Mitbestimmungsrechte transferieren oder zumindest vermitteln als Token, weil der Token als solcher ist ja verschiedentlich einsetzbar. Er kann quasi seine Gestalt oder seine vermittelten Rechte ganz individuell anpassen. Er ist erstmal technologieneutral und kann quasi zu ganz verschiedenen Zwecken eingesetzt werden, je nachdem, was der Emittent, der den Token rausbringt, oder dieser Erfinder des Tokens letztlich damit verknüpfen möchte. Und so divers waren dann im Prinzip auch die Erscheinungsformen und so divers waren dann auch teilweise die Probleme, die sich dabei stellten, insbesondere, wenn es dann um die aufsichtsrechtliche Einordnung ging.“

„Wie kommt man zu dem technischen Know-how? Es ist natürlich exorbitant wichtig, es zu haben. […] ich habe nicht Informatik studiert. Ich hatte darüber nachgedacht, weil mich natürlich auch dieser Wissensdurst nach einem vollumfänglichen Verständnis der Technologie getrieben hat, habe dann aber doch ein Stück weit davon Abstand genommen, weil der Fokus ganz klar auf der Juristerei lag und der rechtswissenschaftlichen Betrachtung. Aber ich habe trotzdem meine „Hausaufgaben“ gemacht und auch machen müssen und verschiedene Paper gelesen, mich mit ganz vielen aus dem Bereich, die wirklich auch Node-Betreiber waren, die halt tief in der Thematik auch praktisch drinsteckten, mich belehren lassen und mir Prozesse zeigen lassen, wie es funktioniert. Weil man auch nur dann gute juristische Arbeit aus meiner Sicht leisten kann, wenn man nicht nur Gesetze stumpf anwendet, sondern auch den Sachverhalt, auf den sich bezogen wird versteht, weil es ist ganz wichtig, die Hintergründe zu verstehen, um dann auch die Differenzierungen machen zu können.“
„Das sind naturgemäß schon Finanz-Player […]. Das sind dann die Handelsteilnehmer an Börsen. Das sind teilweise Asset-Manager, die sich für bestimmte Produkte interessieren. Das sind Fondsanbieter, die ja natürlich auch in Frankfurt sehr stark vertreten sind. Also eine sehr, sehr breite Masse an Finanzmarktteilnehmern, die den Kern ausmachen. Im Bereich Tokenisierung ist das Thema aber aus meiner Erfahrung sehr viel breiter dann noch gefächert worden. Wir hatten vor ein, zwei Jahren eine, ich würde sie NFT-Welle nennen, also einen Bereich Tokenisierung, der in ganz verschiedene Bereiche noch mal eingedrungen ist. Beispielsweise in den Bereich Kunst, in den Bereich Gaming, aber auch in beispielsweise den Bereich CO2-Zertifikat oder freiwilliger CO2-Zertifikate-Markt. Das sind mal die Themenbereiche und die Player, die jetzt ein Stück weit außerhalb des etablierten Finanzsystems unterwegs sind, weil man erkannt hat, die Tokenisierung als solche und die dahinterstehende Technologie übt auch eine Anziehungskraft und einen Vorteil für den Begeber aus, der ja nicht in der Finanzbranche endet, sondern auch in anderen Bereichen sinnvolle Anwendungsbereiche hat.“

„Also, das ist jetzt dann von der Aufsicht sehr, sehr schnell klargestellt worden, dass nur wenn ich etwas tokenisiere, heißt es nicht, dass ich kein Wertpapier mehr habe. Wenn mit dem Token die gleichen Spezifikationen wie mit einem Wertpapier verbunden sind, dann habe ich das gleiche nur eben in einem anderen Korpus und deswegen gelten auch die gleichen aufsichtsrechtlichen Pflichten. Das heißt, in der Security-Token-Welt waren die Dinge ein Stück weit einfacher, weil man da sich an der bestehenden Regulierung ein Stück weit orientieren konnte. Kompliziert wurde es eben nur da, wo man eine neue Instrumenteart hat im Kryptowährungsbereich, die eben nicht Wertpapiere sind, die haben eben keine wertpapierähnlichen Charaktere, sondern zahlungsähnliche Charaktere. Und deswegen musste man sich da eben bis zur MiCAR ein Stück weit anderweitig helfen, indem man hier und da Brücken gebaut hat im regulatorischen Bereich.“